Aus der pianistischen Praxis
… Jean-Jacques Dünki schreibt ein aus der pianistischen Praxis entstandenes Buch, das sich wiederum an Praktiker wendet und deren Horizont erweitern möchte. Ganz im Sinne des Titels Schönbergs Zeichen. Wege zur Interpretation seiner Klaviermusik wird hier das genaue Lesen der Musik als Bestandteil des Interpretationsprozesses beschrieben, wobei das Studium generell sämtliche verfügbaren Quellen wie Autographen, Skizzen, überlieferte Eigen- und Fremdkommentare oder Tonaufzeichnungen, aber auch Musiziertraditionen wie jene des Klavierauszugs oder des Klavierliedes einbeziehen soll. Zahlreiche Noten- beispiele tragen zur Anschaulichkeit der Ausführungen bei; insbesondere dort, wo es darum geht, Bezüge zwischen möglichen Vorbildern und Traditionen herzustellen, wirken die gewählten Beispiele in ihrer Gegenüberstellung mit Schönbergs Notentexten ungemein instruktiv und tragen zur Entstehung eines stimmigen Bildes bei. Aus dieser Perspektive heraus unternimmt Dünki eine teils äusserst akribische Betrachtung der verschiedenen Ebenen in den Notentexten von Schönbergs Klaviermusik mitsamt der ihnen zugehörigen Ausdruckswerte. Dass es sich hierbei trotz des Bezugs auf zahlreiche Quellen letzten Endes um eine sehr persönliche Annäherung handelt, liegt in der Natur der Sache und wird vom Autor auch nicht bestritten. Dünki selbst betont diesen individuellen Aspekt noch einmal, indem er seine Auffassungen durch eine Gesamtaufnahme des Klavierwerks untermauert, angefertigt auf dem historischen Flügel im Schönberghaus Mödling, die dem Buch beiliegt.
In seiner Gesamtheit ist die Publikation sicherlich eine wertvolle Lektüre für Pianisten, bietet sie doch eine Fülle von Anregungen für den praktischen Umgang mit Schönbergs Klavierwerker. Sie illustriert damit einen heute offenbar für Interpreten nicht mehr selbstverständlichen Weg zu deren Erschliessung, kann jedoch die eigenhändige Auseinandersetzung mit den Quellen nicht wirklich ersetzen. Stilistisch ist der Diskurs des Buches daher auf eine Benutzergruppe ohne grosse Vorkenntnisse ausgerichtet. Zwar ist dagegen generell nichts zu sagen, doch nimmt der Autor dadurch einige grobe Vereinfachungen in Kauf, denen vor allem die mitunter allzu simplifizierende Darstellung historischer Zusammenhänge — so etwa zu dem Verhältnis von Haupt- und Nebenstimme oder zu den Zusammenhängen zwischen Schönbergs «Methode der Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen« und dem Serialismus — anzulasten sind. Unverständlich bleibt darüber hinaus auch das Versäumnis, Zitate so auszuweisen, dass man sie in den Originalpublikationen nachschlagen kann. Dass im Text gar Quellen zitiert werden, die im Literaturverzeichnis nicht auftauchen, lässt sich mit der Akribie von Dünkis sonstiger Vorgehensweise kaum in Übereinstimmung bringen.
Stefan Drees in: Dissonanz Nr. 94 (Juni 2006), S. 57
In seiner Gesamtheit ist die Publikation sicherlich eine wertvolle Lektüre für Pianisten, bietet sie doch eine Fülle von Anregungen für den praktischen Umgang mit Schönbergs Klavierwerker. Sie illustriert damit einen heute offenbar für Interpreten nicht mehr selbstverständlichen Weg zu deren Erschliessung, kann jedoch die eigenhändige Auseinandersetzung mit den Quellen nicht wirklich ersetzen. Stilistisch ist der Diskurs des Buches daher auf eine Benutzergruppe ohne grosse Vorkenntnisse ausgerichtet. Zwar ist dagegen generell nichts zu sagen, doch nimmt der Autor dadurch einige grobe Vereinfachungen in Kauf, denen vor allem die mitunter allzu simplifizierende Darstellung historischer Zusammenhänge — so etwa zu dem Verhältnis von Haupt- und Nebenstimme oder zu den Zusammenhängen zwischen Schönbergs «Methode der Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen« und dem Serialismus — anzulasten sind. Unverständlich bleibt darüber hinaus auch das Versäumnis, Zitate so auszuweisen, dass man sie in den Originalpublikationen nachschlagen kann. Dass im Text gar Quellen zitiert werden, die im Literaturverzeichnis nicht auftauchen, lässt sich mit der Akribie von Dünkis sonstiger Vorgehensweise kaum in Übereinstimmung bringen.
Stefan Drees in: Dissonanz Nr. 94 (Juni 2006), S. 57


