Blechblasunterricht in Ton und Bild festgehalten

Attention: open in a new window. PDFPrintE-mail

Ein Trompeter und zwei Hornisten präsentierten am 22. Juni an der 
Hochschule für Musik Basel ihr Forschungsprojekt «Einblicke/Perspektiven» zur Blechblasmethodik. Als Resultat einer vierjährigen Arbeit legten sie 21 Dokumentationen auf sechs DVDs vor.


Lehrbücher für Instrumentalunterricht gibt es zuhauf, doch warum tun sich Pädagogen so schwer mit Lehrvideos? Diese und andere Fragen wurden an der Präsentation dieser filmisch reich dokumentierten Grundlagenforschung beantwortet. Im verkabelten Neuen Saal der Musikhochschule waren auf acht Monitoren und einer Grossleinwand simultan Ausschnitte aus dem Unterricht der Dozenten Peter Knodt (Trompete), Stefan Ruf-Lenzin und Heiner Krause (Horn) zu sehen. Mit grossem Aufwand hatten die drei in den letzten Jahren daran gearbeitet, eine Lücke in der lnstrumentalpädagogik zu schliessen, nämlich Anschauungsmaterial als Anregung für den Instrumental- und Methodikunterricht bereitzustellen.

Bilder aus dem Unterricht …
Den Auftakt der Veranstaltung machte eine beeindruckende Darbietung von Thüring Brams Hornoktett Raum und Zen. Danach wies Stephan Schmidt, Direktor der Basler Musikhochschule, in seiner Begrüssung darauf hin, das vorliegende Projekt gehöre in den Rahmen des seit 1999 bestehenden Forschungsauftrags der Musikhochschule und werde vom Musikwissenschaftler Stefan Häussler mitbetreut und von der Maja-Sacher-Stiftung mitfinanziert. Es wurden dabei keine wissenschaftlich abgestützten Ergebnisse angestrebt. Vielmehr ging es um das Zusammentragen praktischer Erfahrungen, welche als Grundlage einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Thema dienen können. Das Aufbrechen der intimen, oft noch tabuisierten Eins-zu-eins-Unterrichtssituation durch eine Kamera sei zu Beginn noch sehr ungewohnt gewesen. Peter Knodt berichtete von anfänglicher Befangenheit der teilnehmenden Lehrpersonen. Schliesslich aber habe das Ablegen der Ängste und das Einlassen auf ein von der Kamera aufgenommenes, offenes Teamteaching für Lehrer und Schulerinnen ein höchst lehrreiches Abenteuer bedeutet. 
Von vornherein hatte man sich von der Fiktion der Allgemeingültigkeit und Nachhaltigkeit verabschiedet. Das vorliegende Filmmaterial enthält Momentaufnahmen. Stefan Ruf-Lenzin fühlt sich heute, zwei bis drei Jahre nach den Aufnahmen, «wieder ganz woanders und wurde vieles nicht mehr so machen wie damals». Dem hielt ein Zuhörer entgegen, dass es interessant wäre, das Gleichbleibende hinter den wechselnden Methoden herauszufiltern.


… für den Unterricht 
Anschaulichkeit ist bekanntlich sehr wichtig im Unterricht. Dieser Tatsache kommt die DVD-Sammlung in hohem Mass entgegen. Ulrich Mahlert, Professor für Musilcpadagogik an der Universität der Künste Berlin, hat das Projekt von Beginn an als Supervisor begleitet. Er glaubt, dass man von diesenAufnahmen sehr viel lernen könne. Man bekomme Anregungen zu Lernfeldern, Lernstilen, Kommunikationspsychologie, Unterrichtsbeobachtung, zu Methoden (zum Beispiel Singen von Melodie und Rhythmen), Unterrichtsformen (Spiele, Bewegung, Tanz, Raumnutzung). Hilfsmaterialien (Bälle, Kerzen, Notenkarten, Wandtafel), zum Oben als Unterrichtsgegenstand und zu Fantasiebildern. Mahlert regte an, die Vorzüge des Mediums Film voll auszuschöpfen, Sequenzen mehrmals und unter verschiedenen Gesichtspunkten anzusehen und zu analysieren. Gewisse Passagen können in Zeitlupe wiederholt werden, andere gar ohne Ton. Die Körpersprache zum Beispiel lasse sich so am besten beurteilen. 
Zum Schluss demonstrierte Mahlert an drei Beispielen die Unterrichtselemente Fantasiebild, Raumnutzung und Üben ohne Instrument. Das Projekt ist allen interessierten Kreisen zur Nachahmung und Nutzung empfohlen.
Niklaus Rüegg in: Schweizer Musikzeitung, Nr. 7/8 /Juli/August 2008, S. 31