Georg Friedrich Haas verwandelte das WDR Sinfonieorchester Köln zum Riesensaxophon
Er ist ein Komponist mit grünem Daumen, in dessen musikalischen Gärten die Klänge vegetabilisch wachsen, in unterschiedlichsten Farben erblühen und von einem Beet zum anderen ranken. 1953 in Graz geboren, gehört Georg Friedrich Haas neben den französischen Spektralisten unter die Klangmagier und Landschaftsmaler der neuen Musik. Sein Konzert für Baritonsaxophon und Orchester war jetzt als Uraufführung in der WDR-Reihe „Musik der Zeit“ zu erleben.
Im Gegensatz zu vielen zeitgenössischen Instrumentalkonzerten, die Dank ausgezeichneter und für neue Musik begeisterter Solisten seit einigen Jahren zuhauf komponiert werden, verzichtet Haas auf virtuoses Blendwerk und hyperaktiv abgespultes Floskel-Unwesen. Stattdessen arbeitet er eng am Klang des Soloinstruments, dessen immenser Tonumfang und dynamisches Spektrum ihn faszinieren und dessen große Wandlungsfähigkeit er gleich zu Beginn vorstellt: tief schnurrenden Bassklängen des Solisten, die in Celli und Blechbläsern weiterhallen, lässt er vier Oktaven höher feine Sopranlinien folgen, die dann in die Violinen abstrahlen. Statt in konzertierendem Wettstreit verhalten sich Solist und Tutti symbiotisch zueinander wie Bild und Spiegelbild.
Solist Marcus Weiss – Professorenkollege von Haas an der Musikhochschule Basel – gestaltete die wechselnden Metamorphosen der Soli ins Tutti und zurück mit sensibler Präzision. Ebenso hellhörig agierte das WDR Sinfonieorchester unter sicherer Leitung von Emilio Pomàrico als akustisches Spektrometer, das mit seinen unterschiedlichen Instrumenten, Farben und Registern eine auskomponierte Klanganalyse der Überblasungen, Geräuschanteile und Mehrklänge des Saxophons lieferte. So entstanden erhellende und suggestiv sich auf- und abbauende volltönende Klangwellen. Zum Schluss setzten gestrichene Fingerzimbeln dem Soloinstrument ein Goldkrönchen auf. …
Rainer Nonnenmann in: Kölner Stadtanzeiger, 5.05.2008, S. 35.


