Dreizehn 13

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Bad. Bhf. BaselForschungsschwerpunkt: Neue Musik, Forschung durch Musik
Forschungsteam: Jakob Ullmann, Daniel Weissberg (Komposition), Nives Widauer (Video), Michael Kunkel (Hochschule für Musik Basel), Desirée Meiser (Gare du Nord), Erik Petri (Seminar für jüdische Studien/Historisches Seminar der Universität Basel), Katrin Rieder (Dramaturgie), Anja Wernicke (Assistenz)
Projektdauer: 2008-2010
Partner: Gare du Nord Basel, Historisches Seminar der Universität Basel

Ein musikalisch-wissenschaftliches Projekt zu Geschichte und Gegenwart des Badischen Bahnhofs in Basel. Eine Koproduktion der Abt. Forschung und Entwicklung der Hochschule für Musik Basel, des Historischen Seminars und des Institus für Jüdische Studien der Universität Basel, des Staatsarchivs Basel-Stadt und der Gare du Nord Basel.

15., 17., 19. und 22. Oktober 2009: Uraufführung der Kompositionen Ὅροϛ μετέωροϛ. dramatisches fragment mit Aischylos und Euripides von Jakob Ullmann und Dreizehn13 von Daniel Weissberg in der Gare du Nord, Basel
Mit: Christiane Mikoleit (Sopran), Silvester von Hösslin (Sprecher), Basler Madrigalisten, Mondrian Ensemble Basel, Conrad Steinmann (Aulos), Molly McDolan (Englisch-Horn), Daniel Weissberg (Live-Elektronik), Francesc Prat (musikalische Leitung), Nives Widauer (Videoraum und Konzeption)
>>Programmheft

Der Badische Bahnhof in Basel
Der dreizehnte September 1913 ist das Gründungsdatum des von Karl Moser erbauten deutschen „Personenbahnhofes“ auf Schweizer Boden. Gleichzeitig ist Dreizehn 13 der Arbeitstitel eines Projektes, das sich mit der komplexen Geschichte dieses Grenzbahnhofes befasst.
Kaum eröffnet, wurde der Badische Bahnhof bereits am 31. Juli 1914 bei Ausbruch des 1. Weltkrieges geschlossen. Erst am 14. September 1919 nahm er seinen Betrieb wieder auf. Während des 2.Weltkrieges hatte das „Nadelöhr“ in die Schweiz eine äusserst prekäre Funktion: 1935 offiziell in „Basel Deutsche Reichsbahn“ umbenannt, wurde es zum Hauptquartier der Nationalsozialisten auf Schweizer Boden. In einer Broschüre der Deutschen Bahn heisst es: „Leider versuchten dunkle Elemente die schweizerische Gastfreundschaft schmählich zu missbrauchen, indem sie in den Bahnhofsanlagen ausgiebig der Spionage frönten“. Nicht nur in der Bergier-Akte, sondern auch in vielen Zeitzeugen-Berichten erhalten wir wesentlich konkretere Informationen  über das wohl dunkelste Kapitel des Basler Nord-Bahnhofes.
In den ehemaligen Buffetträumen des Bahnhofs, in denen inzwischen die Gare du Nord – Bahnhof für Neue Musik beherbergt ist, ass man seinerzeit in der 1. Klasse, Schweizer Seite, edel an weiss gedeckten Tischen, während das einfache Volk sich auf deutscher Seite mit der Holzklasse begnügte. Hier tanzte während dem 2.Weltkrieg die NS-Frauenschaft, hier planten deutsche Schergen ihre europäischen Expansionsvisionen, hier versuchten deutsche Juden in die rettende Schweiz zu gelangen, indem sie vom Zug sprangen oder sich durch das Heizungssystem einen Weg suchten. Noch immer verläuft die deutsch-schweizerische Grenze mitten durch das Gebäude. Und noch immer werden „unliebsame Gäste“ mit Handschellen abgeführt, direkt vor der Tür der heutigen Bar du Nord.


Das Projekt
Im Projekt Dreizehn 13 werden zwei Arten der Recherche synchronisiert: Vergangenheit und Gegenwart des Badischen Bahnhofs sind Gegenstand künstlerischer wie wissenschaftlicher Arbeit. Zwei Komponisten reflektieren die Geschichte und aktuelle Situation des Grenzorts in kompositorischen Arbeiten, die als Eröffnungsproduktion der Saison 2009/2010 im Oktober 2009 in der Gare du Nord – und damit „vor Ort“ – in Form eines „visuellen Oratoriums“ präsentiert werden: Es handelt sich um die Kompositionen Ὅροϛ μετέωροϛ. dramatisches fragment mit Aischylos und Euripides von Jakob Ullmann und Dreizehn13 von Daniel Weissberg. Gleichzeitig entsteht eine wissenschaftliche Studie zur Geschichte des Badischen Bahnhofs. Beide Arten der Diskurse – die wissenschaftlich-nachprüfbare Darstellung wie die methodisch nicht standardisierte Reflexion mit künstlerischen Mitteln – haben ihre Stärken und Schwächen. Das Forschungsteam des Historischen Seminars Basel und der Abt. Forschung & Entwicklung der Hochschule für Musik Basel bringt künstlerische und wissenschaftliche Erkenntnisarbeit nach der Präsentation des „visuellen Oratoriums“ in einer ausführlichen Publikation in produktive Beziehungen.

«Bahnhof», ein Text von Jakob Ullmann

Gespräch mit Jakob Ullmann

Gespräch mit Daniel Weissberg

Programmheft

Partitur Weissberg

Partitur Ullmann