Bass (nicht) hören – Schwierigkeiten bei der Diskriminierung von Bassstimmen im mehrstimmigen musikalischen Zusammenhang
Forschungsschwerpunkt: Pädagogische Forschung
Forschungsfelder: Gehörbildung, Psychoakustik
Forschungsteam: Prof. Elke Hofmann (Hochschule für Musik Basel, Leitung), Prof. Dr. ing. Uwe Baumann (Universität Frankfurt), PD Dr. Katja Cattapan (Universität Bern), Prof. Dr. med. Katrin Neumann, Prof. PhD. Erik Oña (Hochschule für Musik Basel), Dr. rer. nat. Peter Schneider (Universität Heidelberg), Prof. Hans Peter Weber (Schola Cantorum Basiliensis), Dr. med. Martina Wengenroth (Universität Heidelberg)
Projektdauer: 2008-2010
Partner: Schola Cantorum Basiliensis, Universitätsspital Basel, Universität Frakfurt am Main, Universität Heidelberg
Dieses Projekt beschäftigt sich mit der Frage, warum viele Musiker Schwierigkeiten bei der Diskrimination von Bassstimmen im musikalischen Zusammenhang haben. In einer Pilotstudie soll zunächst anhand psychoakustischer Tests untersucht werden, ob individuelle Unterschiede in der Wahrnehmungsfähigkeit tiefer Frequenzen (Audiometrie, Frequenzschwellentests) im Zusammenhang mit den Diskriminationsschwierigkeiten stehen und inwiefern der Obertonaufbau einzelner tiefer Klänge die Zuordnung der Tonhöhe beeinflusst (Tonhöhentest, zeit- und intensitätsverschobene Harmonische). Auch statistische Daten wie Vorbildung und allgemeine musikalische Begabung werden erhoben. Abhängig von den Ergebnissen des Pilotprojekts sind weitere Untersuchungen vorgesehen, die sowohl den Aspekt des musikalischen Zusammenhangs als auch die individuelle Beschaffenheit des Hörkortex der Probanden mit einbeziehen können.
Hintergrund
In grossen Teilen der durmolltonalen Musik gilt der Bass als Fundamentstimme, als Träger der Harmonik und der sich darüber abspielenden Melodik; seine Wahrnehmung ist also von grösster musikalischer und damit auch interpretatorischer Relevanz.
Erstaunlicherweise haben viele MusikerInnen Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung von Basstönen im musikalischen Zusammenhang. Ein und dieselbe Darbietung von Musik, egal ob „live“ oder von einer CD, wird hinsichtlich der Hörbarkeit des Basses von unterschiedlichen HörerInnen diametral entgegengesetzt beurteilt. Im Gehörbildungsunterricht, Teil der Ausbildung von Berufsmusikern, äussert sich dies in z. T. erheblichen Schwächen bei Unterstimmen von Diktaten und bei Aufgaben im harmonischen Hören. Betroffene Personen berichten über eine „Verschwommenheit“ des Klanges im tiefen Bereich bis hin zur Unmöglichkeit der genauen Einschätzung der Tonhöhe; dies wird als ausserordentlich verunsichernd, zuweilen ängstigend erlebt. Es gibt auf der anderen Seite aber auch Musiker, die Schwierigkeiten mit Bassstimmen überhaupt nicht kennen. Ein Zusammenhang mit generell guten oder schwächeren Leistungen im Fach Gehörbildung ist hierbei nicht eindeutig zu erkennen.
Für dieses Phänomen kommen verschiedene Ursachen in Betracht; dazu zählen die physikalischen Eigenschaften der einzelnen Klänge/musikalischen Töne, deren Zusammenwirken mit dem umgebenden musikalischen Zusammenhang sowie die individuelle Hördisposition des Musikers, die laut früherer Studien ausschlaggebend für die Instrumentenwahl ist und somit die zu machenden Hörerfahrungen mitbestimmt.
In der vorliegenden Pilotstudie soll mittels psychoakustischer Tests zunächst nur eine der möglichen Ursachen untersucht werden: welcher Unterschiede in der Wahrnehmung einzelner tiefer musikalischer Töne treten in Abhängigkeit von deren Obertonaufbau auf? In einem nächsten Schritt, abhängig von den Ergebnissen der Pilotstudie, soll mittels komplexerer, „musikalischerer“ Stimuli die Rolle des Zusammenhangs (physikalisch, aber auch musikalisch betrachtet: vertikal/harmonisch und horizontal/melodisch) überprüft werden. Als weiterer Schritt ist geplant, die Möglichkeit von Trainingseffekten zu überprüfen und, falls vorhanden, eine effiziente Trainingsmethode zu entwickeln.
Generelle Hypothesen
Die oben beschriebenen Diskriminationsschwierigkeiten hängen von den physikalischen Eigenschaften des jeweiligen Basstons ab. Auch der umgebende musikalische Kontext und die je nach individueller Hördisposition unterschiedliche Wahrnehmung von Obertonstrukturen spielen hierbei eine Rolle.
Ziele
Der Nachweis für die oben formulierten Hypothesen soll erbracht werden; aufgrund der Ergebnisse (auch folgender Untersuchungen) soll eine effiziente Trainingsmethode für Musiker entwickelt werden.
Flyer Pilotprojekt


