Der Schall. Mauricio Kagels Instrumentarium
Forschungsschwerpunkt: Neue Musik
Forschungsfeld: Instrumentarium der Neuen Musik
Forschungsteam: Martina Papiro (Leitung), Konzept: Lucas Bennett, Andreas Fatton, Matthias Kassel, Martin Kirnbauer, Michael Kunkel, Martina Papiro
Projektdauer: 2007-2008
Publikation: Michael Kunkel, Martina Papiro (Hrsg.), Der Schall. Mauricio Kagels Instrumentarium, Saarbrücken: Pfau 2009, mit Audio-CD
Partner: Paul Sacher Stiftung (Basel), Historisches Museum Basel/Musikmuseum Basel, Gare du Nord (Basel), Pfau-Verlag (Saarbrücken)
Unter den grossen Komponisten der Gegenwart hat Mauricio Kagel (1931-2008) wie kaum ein anderer den Instrumentenbegriff erkundet und erweitert. Seit den 1960er Jahren entstanden Werke, in denen nebst konventionellen Musikinstrumenten auch Staubsauger, Gummischläuche, Walkie-Talkies und Plattenspieler eingesetzt werden. Merkwürdigerweise ist in der reichen Fachliteratur zu Kagel die Frage des Instrumentariums bisher kaum systematisch erforscht worden.
Eine Betrachtung des Instrumentariums als kultur- wie alltagsgeschichtlich und psychoakustisch determinierte Klangorgane und ihre Verwendung ist indes äusserst lohnend. Gegenstand des Projekts ist jenes experimentelle Instrumentarium, das für einen wichtigen Teil des musikalischen Schaffens von Kagel von zentraler Bedeutung ist. Gleichzeitig besteht die Chance, anhand der Klangerzeuger Kagels eine grundlegende Perspektive der zeitgenössischen Musik zu erkunden. Was geschieht, wenn mit buchstäblich allem Musik gemacht und wenn jede Handlung zur musikalischen Komposition werden kann? Diese Grenzüberschreitung macht Konzertsaal und Alltag, Kunst und Leben füreinander durchlässig.
Die unzähligen Klangerzeuger, die Kagel für seine Kompositionen sammelte und herstellte, sind heute Bestandteil der Sammlung Mauricio Kagel der Paul Sacher Stiftung Basel und werden als Depositum im Basler Musikmuseum aufbewahrt. In Konzerten des Festivals DER SCHALL (9.-11. Februar 2007) – in deren Mittelpunkt die Aufführung des Werks „Der Schall“ (1968) stand – wurden die Klangobjekte wie deren Nachbauten von „historischen“ Interpreten wie von Studenten und Dozenten der Basler Musikhochschule reaktiviert. In einer Tagung wurde das Phänomen der Kagelschen „Objets sonores“ erstmals wissenschaftlich erörtert und kontextualisiert. Bei ihnen handelt es sich keinesfalls nur um ein historisches Phänomen: Die Frage eines alternativen Instrumentariums ist durchaus aktuell. Die extreme ästhetische Vielfalt im heutigen kompositorischen Umgang mit experimentellen Klangobjekten wurde angedeutet in Aufführungen von Werken der Kagel-Schüler Manos Tsangaris und Daniel Weissberg, in Performances von und mit Mischa Käser, Thomas Peter, Chikashi Miyama und Lara Stanic und in einem Podiumsgespräch mit Gerald Bennett, Erik Oña, Manos Tsangaris und Hans Wüthrich. Das Projekt wird in einer ausführlichen Publikation in Wort, Bild und Ton dokumentiert.


