Hülle des Gedenkens. Nonos Orchesterkomposition A Carlo Scarpa
Forschungsschwerpunkt: Neue MusikForschungsfeld: Laboratorium: Interpretation Neuer Musik (Mikrointervallik, Elektronische Musik, Skizzenforschung, Editionsphilologie)
Forschungsteam: Leonardo Idrobo Arce (Leitung), Jakob Ullmann, Michael Kunkel
Projektdauer: 2008-2010
Publikationen: Forschungsbericht in: Michael Kunkel (Hrsg.), Musik – Buchstaben – Musik. Musikdenken und Musikmachen an der Hochschule für Musik der Musik-Akademie der Stadt Basel, Saarbrücken: Pfau 2010 (i.V.); Neuausgabe von Luigi Nonos A Carlo Scarpa architetto ai suoi infiniti possibili per orchestra a microintervalli (i.V.)
Partner: Archivio Luigi Nono (Venezia), Elektronisches Studio Basel, Pfau-Verlag (Saarbrücken)
Dass die Erfahrungen Luigi Nonos (und anderer Komponisten) im Elektronischen Studio auch seine nicht-elektronische Musik auf irgendeine Weise stark beeinflusst hätten, ist in der Forschung ein ebenso bekannter wie bislang wenig verifizierter Topos. Dieses Projekt geht aus von der These, dass Nono gewisse ihm aus seiner Arbeit im SWF Experimentalstudio der Heinrich Strobel Stiftung in Freiburg bestens vertraute mikrotonale Klangphänome (z.B. Differenz- und Summationstöne) auch in nicht-elektroakustischer Musik gezielt eingesetzt hat. Angestrebt wird ein Brückenschlag zwischen Analyse und Empirie: Analytisch herausgearbeitete Thesen zu Nonos Mikrointervallik sind auf ihre Erprobung und „Versinnlichung“ in der musikalischen Praxis hin orientiert.
Ein wichtiges Ziel des Projekts liegt darin, analytisch fundierte Voraussetzungen für eine adäquate praktische Realisierung von Luigi Nonos spätem Orchesterwerk A Carlo Scarpa architetto ai suoi infiniti possibili per orchestra a microintervalli (und anderer ähnlicher Stücke) zu schaffen; der Fokus liegt auf dem Feinbereich kleinster Tonschritte, der in der Aufführungspraxis zeitgenössischer Orchestermusik gewöhnlich stark vernachlässigt wird. Es gilt, den der gängigen musikalischen Praxis weitgehend inkommensurablen akustischen Vorstellungsraum Nonos zunächst in empirischen Versuchen (Labor des Elektronischen Studios) zu erkunden und die Ergebnisse dieser Versuche in die Aufführungspraxis einzubringen. Dazu gehört auch eine durch das Studium der Musik-Manuskripte im Archivio Luigi Nono (Venedig) gestützte kritische Neuedition des Notentextes.


