Infrared Multi Action Tracker (IRMAT)

Forschungsschwerpunkte: Neue Musik, Pädagogische Forschung
Forschungsfelder: Kommunikation Mensch und Maschine, Performance/Aufführungspraxis Elektronischer Musik, Instrumentarium der Neuen Musik, Interface-Entwicklung, Audiodesign, Komposition
Forschungsteam: José Navarro (Leitung), Amadis Brugnoni, Benjamin Federer, Alain Jost, Thomas Resch, Lorenz Schuster
Projektdauer: 2008-2012
Partner: Elektronisches Studio Basel, Vera Oeri-Bibliothek Basel, Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt, Thomas Peter
IRMAT bei den Darmstädter Internationalen Ferienkursen für Neue Musik
IRMAT im Audio-Zentrum der Vera Oeri-Bibliothek der Musik-Akademie Basel (Siehe auch: Codexflores)
Seit es Computer gibt, muss man sich mit der Frage der Eingabegeräte beschäftigen. Anfangs gab es nur eine Tastatur, mit der man durch Eingabe von Codes den Computer steuern konnte. Später kamen Maus und graphische Softwareumgebung dazu, was die Bedienung von Computer enorm vereinfachte. Trotzdem gab es immer noch die örtliche Diskrepanz zwischen der Bewegung der Maus auf dem Schreibtisch und der optischen Reaktion auf dem Bildschirm. Um diese Diskrepanz zu verringern, entstand die Idee des Touchscreens.
Der Touchscreen ermöglicht das exakte Zusammenspiel zwischen realer und virtueller Welt. Die visuelle Reaktion des Computers auf dem Bildschirm/Screen befindet sich an derselben Stelle, an der die Berührung stattfindet. Trotzdem bleiben beim Touchscreen Einschränkungen vorhanden: Bis jetzt sieht man bei alltäglichen Gebrauchsgegenständen (Billetautomaten, PDAs, Kassen, etc.) hauptsächlich Singletouchscreens, die jeweils nur einen Gegenstand (also einen Finger oder einen Stift, etc.) auf der Oberfläche auf ein Mal erkennen können. Anfassen, Berühren, Bewegen, Verschieben und andere Gesten in unserem realen Leben bestehen jedoch meistens aus mehr als nur einer Berührung gleichzeitig. Beim Spannen eines Gummibandes oder beim Auseinanderfalten einer Landkarte findet ein komplexes Zusammenspiel von zwei Händen respektive zehn Fingern statt. Dasselbe gilt freilich für das Spielen eines Musikinstrumentes.
Ziel des Projekts IRMAT ist es, solche Probleme zu lösen und durch eine Multigesten-Erkennung die Lücken zwischen realer und virtueller Welt verkleinern. Ausserdem vereinfacht IRMAT die Bedienung einer Maschine von mehreren Personen gleichzeitig. IRMAT steht für „Infrared Multi Action Tracker“ und beruht auf einer Technik mit Infrarotlicht, um Bewegungen und Gesten auf einer Oberfläche erkennbar zu machen.
IRMAT ist ein musikalisches Interface und existiert heute als Spieltisch, der erstmals im Mai 2008 im Rahmen von dBâle, dem Festival des Elektronischen Studios Basel, zum Einsatz kam (mit der interaktiven Installation BellCells) und seither in musikalischen Performances vielfach verwendet und weiterentwickelt wurde. Ein weiterer IRMAT-Spieltisch ist seit September 2009 in der Vera Oeri-Bibliothek der Musik-Akademie der Stadt Basel installiert und steht den Besuchern der Bibliothek zur Verfügung. Bisher wurden vier Anwendungen programmiert und auf dem Spieltisch realisiert.
Die Entwicklung weiterer Spielmodelle und der geeigneten Software erfolgt in Hinblick auf die verschiedenen Anwendungsbereiche Musik (IRMAT als Musikinstrument), Musikpädagogik (IRMAT als Lernmittel – Stichwort: intuitives Lernen) und praktische Anwendungen (Anwendungen, die im Alltag oder in der Industrie gebraucht werden und keinen direkten Zugang zur Musik haben). Weitere konkrete Anwendungen von IRMAT sind noch offen und Gegenstand der aktuellen Forschungsarbeit.


