Zwei-Mann-Orchester. Mauricio Kagels Instrumentarium II

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Galerie: Das Zwei-Mann-Orchester im Bau, Basel, Rheingasse 33

Forschungsschwerpunkte: Neue Musik/Forschung durch Musik
Forschungsfeld: Instrumentarium der Neuen Musik
Forschungsteam: Wilhelm Bruck, Matthias Würsch (Zwei-Mann-Orchester); Matthias Kassel, Florian Hohnhorst (Paul Sacher Stiftung, Basel), Michael Kunkel (HSM), Torsten Möller (Dokumentation), Andres Pardey (Museum Jean Tinguely Basel), Urs Arlt (Podesterie); Video-Equipe: Abril Padilla (Koordination), Reinhard Manz (Projektbegleitung HGK IKU), Sandra Anzi, Marc Hartmann, Naïma Jundt, Lysann König (Studierende HGK Institut Kunst)
Projektdauer: 2011
Partner: Paul Sacher Stiftung (Basel), Museum Jean Tinguely (Basel), Hochschule für Gestaltung und Kunst (Basel), Musikwissenschaftliches Institut (Basel), Stiftung Habitat (Basel)

 

 
 
Im Auftrag der Donaueschinger Musiktage – als Anschluss an das 1971 ausgegebene Thema «Symphonieorchester in verwandelter Welt» – schrieb Mauricio Kagel sein legendär gewordenes Zwei-Mann-Orchester für zwei Ein-Mann-Orchester. Zwei Jahre später wurde es während des traditionsreichen Festivals uraufgeführt und von den Rezensenten fast einhellig als Ausnahmeereignis betitelt, vom Publikum bejubelt. Diese erste Fassung der aus weit über 200 Instrumenten bestehenden Klangmaschinerie wurde von den Interpreten der Uraufführung Wilhelm Bruck und Theodor Ross anschliessend in Amsterdam, Berlin, Bonn, Köln, Paris und Stuttgart gezeigt und gespielt, bevor das «unselbständige Automatophon» (Kagel) als instrumentale Skulptur in der Sammlung des Gemeentemuseum in Den Haag Aufnahme fand. Anlässlich der Documenta IX realisierten Wilhelm Bruck und Theodor Ross 1992 eine neue Fassung des Zwei-Mann-Orchesters im Foyer es Kasseler Staatstheaters. Diese Konstruktion blieb nach den Aufführungen der Spielzeit 1992/93 nicht erhalten.

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Projekts Der Schall suchte die Abt. F&E im Bereich der historischen Aufführungspraxis der Neuen Musik eine neue Herausforderung und fand diese im Zwei-Mann-Orchester als einem Werk, das als Apotheose des Instrumentalen Theaters mit experimentellen Klangobjekten angesehen werden kann und das in Zusammenarbeit mit der Paul Sacher Stiftung Basel und dem Museum Jean Tinguely Basel im Frühjahr 2011 neu realisiert wird. Die Aufgabenstellung von Der Schall erscheint hier wesentlich verschärft dadurch, dass nicht mehr ein Werk in Verwendung einer grossen Anzahl von meist unkonventionellen Klangerzeugern nach Massgabe einer in der Partitur verlässlich fixierten Zeit- und Interaktionsstruktur erarbeitet wird, sondern dass aus herkömmlichen, aber stark vernutzten Instrumenten eine umfangreiche funktionierende Orchestermaschine und ein sinnvoller Klangablauf hergestellt werden müssen, zu dem die Partitur lediglich ein Reservoire von elementaren Klangphänomenen und gestischen Konstellationen bereitstellt. Der Methode von Der Schall folgend geht es nicht um eine Rekonstruktion der historischen Aufführung, sondern um die Erstellung einer neuen aktuellen Version in Zusammenarbeit eines historisch orientierten Interpreten der Uraufführung (Wilhelm Bruck) und eines jüngeren Schlagzeugers mit besonderer Aufführungskompetenz im Bereich des zeitgenössischen Musikschaffens (Matthias Würsch). Als riesiger Orchesterautomat fügt sich die neue Klanginstallation perfekt in die Umgebung des Aufführungsortes, dem Museum Jean Tinguely, ein.

Ziel des Projektes ist neben der Erarbeitung der Basler Version dessen wissenschaftliche und künstlerische Kontextualisierung und Dokumentierung: Das Projekt wird begleitet durch eine wissenschaftliche historische Studie von Matthias Kassel, die auf der Untersuchung der in der Paul Sacher Stiftung Basel befindlichen Musikmanuskripte beruht (der Autor ist Kurator der Sammlung Mauricio Kagel), durch eine aufführungspraktische Dokumentation von Torsten Möller, sowie durch Lehrveranstaltungen an der HSM Basel und am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Basel. In Zusammenarbeit mit der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel erarbeitet die Klang- und Bildkünstlerin Abril Padilla zusammen mit Studierenden der HGK eine künstlerische audio-visuellen Dokumentation des Projekts, die unter dem Akut des Heute an Kagels filmerischem Schaffen anknüpft und ab 5. April im Museum Tinguely zu sehen und zu hören sein wird.